Mülltrennung für Migranten und Flüchtlinge

Ein Modellprojekt im Landkreis Fürstenfeldbruck. Überquellende Mülltonnen sind kein schöner Anblick – weder in verdichteten Wohnbereichen wie z.B. der Puchheimer Planie noch in Asylunterkünften. Die fehlenden Kenntnisse oder das mangelnde Bewusstsein bei der Abfalltrennung führen deshalb manchmal zu Konflikten, wenn über 70 verschiedene Nationen allein im Stadtviertel Planie leben. Unterschiedliche Vorstellungen über den Umgang mit dem eigenen Abfall sind da vorprogrammiert. Bei überfüllten Tonnen schlagen natürlich auch die hohen Mietnebenkosten zu Buche.

Wo Probleme so sichtbar sind, werden Lösungen gesucht. Das Ausländeramt des Landkreises Fürstenfeldbruck hat so das Projekt „ANKOMMEN + VERSTEHEN“ für Flüchtlinge und Migranten zum Spezialthema „Ressourcenschutz – der nachhaltige Umgang mit Energie, Wasser und Abfall“ ins Leben gerufen, das gemeinsam mit Partnern aus der Region realisiert wird. Bereits in den ersten Monaten bieten die Workshops Orientierungshilfen für eine zügige Integration und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe, auch wenn die deutschen Sprachkenntnisse noch fehlen.

Für die Entwicklung und Durchführung des ersten Modules „Abfall vermeiden, Wertstoffe recyceln“ war das Quartiersmanagement Soziale Stadt Puchheim der ideale Kooperationspartner. Aveen Khorschied und Martin Kulzinger kennen die Sorgen und Nöte der Bewohnerinnen und Bewohner in der Planie: „Täglich beraten wir bei Alltagsproblemen, unterstützen bei der Integration und sind erste Ansprechpartner im Stadtteilzentrum“, so Aveen Khorschied, die auch in ihrer Muttersprache Arabisch Hilfestellung leistet.

In mehreren Workshops wurden nun fünfzehn Migranten und Asylsuchende als „Multiplikatoren“ für Abfalltrennung und Abfallverwertung ausgebildet, die erfolgreich ihr Zertifikat entgegennehmen konnten. In den vorangegangenen Schulungen diskutierten die Teilnehmer – alltagsbezogen und praxisorientiert – Fragen, wie zum Beispiel „Was macht die deutsche Gesellschaft – speziell bei der Abfallverwertung – aus und wo sind Parallelen oder Unterschiede zu meiner eigenen Kultur? Die Grundlagen zum Verständnis des Themas erarbeiteten sich die zukünftigen Multiplikatoren aktiv und durch eigene Recherche. Für sie wurde deutlich, dass Abfall ein globales Problem ist und die Plastikstrudel in den Ozeanen oder die stinkenden Müllhalden alle Menschen betreffen.

„Unser Ansatz ist es, das Warum verständlich zu machen. Wenn Bewohner verstehen, welchen Sinn Abfalltrennung macht, und sei es nur durch sinkende Nebenkosten, dann fällt im Alltag die Wahl der richtigen Tonne leichter“, sagt Martin Kulzinger, Quartiersmanager im Stadtteilzentrum.

Und praktisch ging es in den Workshops auf jeden Fall zu: Echte Abfälle wurden in Kategorien wie Restmüll, Bioabfall, Wertstoffe und Papier sortiert. Aber die Fragen wurden immer mehr: Was kommt zum Kleinen Wertstoffhof? Wo ist der nächste Große Wertstoffhof? Wie können wir Anderen dieses komplizierte Trennsystem erklären?

Die Lösung wurde schnell gefunden und in einem weiteren Treffen ein spezieller Informationsflyer erarbeitet, der vor allem durch seine bildhafte Sprache den Flüchtlingen und den Migranten im Programmgebiet der Sozialen Stadt bei der richtigen Mülltrennung im Alltag weiterhelfen soll.

Noch praktischer wurde es, als die Multiplikatoren mit vollem Einsatz am „Ramadama“ der Stadt Puchheim teilnahmen und gezielt vor der eigenen Haustüre, dem Stadtteil Planie sauber machten. Und spätestens seit einer Exkursion zum Abfallheizkraftwerk der GfA wissen sie, dass aus Restmüll Energie in Form von Strom und Wärme erzeugt wird.

Keiner fällt als Experte vom Himmel, und mal ehrlich – wer kennt sich denn so wirklich mit der Trennung der verschiedenen Leichtverpackungen aus? Kein Problem: Elke Raff vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises erläuterte am Großen Wertstoffhof, dass es bei Unsicherheiten zur Trennung beim Großen Wertstoffhof immer Hilfestellung gibt. „Wir haben das Projekt gerne mit Rat und Tat, aber auch finanziell unterstützt“ verabschiedet sie die stolzen Teilnehmer nach der Zertifikatsübergabe.

Durch den erfolgreichen Abschluss des Workshops können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun als Multiplikatoren in der Planie und in Flüchtlingsunterkünften tätig werden und ihr Wissen sinnvoll weitergeben.

„Die nächste Multiplikatorenschulung für den Bereich „Abfall vermeiden, Wertstoff recyceln“ wird in Kooperation mit dem Bürgerpavillon in Fürstenfeldbruck stattfinden“, verrät Birgit Baindl, die im Ausländeramt des Landkreises für Ressourcenmanagement bei Asylunterkünften zuständig ist.

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Mülltrennung für Migranten und Flüchtlinge

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